VITA-Team: Fabio und Madison



Als 39. VITA-Team starteten Fabio & Madison im September in das gemeinsame Leben. Für den 6-jährigen und seine Familie ist die sanftmütige und liebevolle Golden Retrieverdame tagtäglich eine wunderbare Bereicherung.

Als 39. VITA-Team starteten der damals 6-jährige Fabio aus Lenningen, der unter einer angeborenen Cerebralparese leidet, und die die sanftmütige und liebevolle Golden Retrieverdame Madison im August 2014 in ihr gemeinsames Leben. 

»Schon in den ersten Tagen konnte ich so viele positive Veränderungen bei Fabio beobachten, mit denen ich nicht gerechnet habe. Natürlich sind die Trainingseinheiten auch anstrengend für ihn, aber ich habe ihn noch nie so glücklich gesehen«, berichtet Fabios Mama. Tatjana Kreidler und Dr. Ariane Volpert nennen Fabio liebevoll das kleine Sternchen, denn er bringt mit seinem Lachen sofort die Sonne in jeden Raum und verzaubert die Menschen um ihn. Während der Zusammenführung hat der kleine Wicht unglaubliche Fortschritte gemacht – wie z.B. seiner Madison selbst ein Leckerli aus dem Beutel zu geben, was vorher undenkbar gewesen wäre. Madison motiviert Fabio jeden Tag aufs Neue – ein tolles Gespann!

Gern möchten wir Euch dieses tolle Team mit einem wunderbaren Bericht noch etwas genauer vorstellen:

„Wir sind Madison jeden Tag dankbarer“

Die Tür geht zu und Fabios Bruder Dennis trifft sich mit Freunden. „Bis später“ ruft er noch und weg ist er. „Früher waren solche Momente für Fabio nicht schön“, sagt Fabios Mutter Giusi. Dennis traf sich mit Freunden und Fabio blieb zurück, denn Freunde hatte er nicht. „Natürlich sind wir als Eltern immer für ihn da, aber ein Freund an seiner Seite ist einfach etwas Anderes“. Doch heute ist es kein Problem mehr, wenn Dennis geht – denn Fabio hat jetzt jemanden an seiner Seite. Die Golden Retriever Assistenzhündin Madison kommt angelaufen und schaut ihn mit freudig wedelndem Schwanz an. „Madison ist eine Bereicherung, ein neues Familienmitglied, das uns und vor allem Fabio emotional viel gibt und uns jeden Tag aufs Neue motiviert. Wir sind ihr jeden Tag immer mehr dankbar!“ sagt Giusi.

Rückblick: Fabio kommt im Jahr 2008 mit einer spastischen Cerebralparese auf die Welt. Bis heute kann er nicht laufen, selbstständig sitzen, nicht richtig greifen und er kann noch nicht reden. Im Alltag braucht er bei allem Unterstützung. „Ich habe in den Jahren bevor die VITA-Familie in unser Leben kam, Fabio kaum die Chance gegeben zu wachsen, weil ich Angst hatte er schafft es nicht. Vor dieser Frustration wollte ich ihn schützen“, erzählt Giusi. Durch Zufall sah die Familie dann vor Jahren einen Bericht über VITA und war schwer beeindruckt. „Wir waren überzeugt, dass ein Assistenzhund für Fabio das richtige ist, besonders weil er dann einen Gefährten an seiner Seite hat“. Die Familie nimmt Kontakt mit VITA auf. Der Verein bildet Assistenzhunde für behinderte Menschen aus und betreut nach der Zusammenführung von Mensch und Hund die Teams ein Hundeleben lang. „Wir erhielten einen Termin zum Kennenlernen – das war eine tolle Erfahrung!“ so Giusi. „Wir hatten wirklich großes Glück und wurden dann nach diversen Gesprächen auch zum Matching eingeladen“.

„Beim Matching gilt es herauszufinden welcher Hund zu welchem Menschen passt und umgekehrt. Dabei wird auf den Hund genauso viel Rücksicht genommen wie auf den Menschen. Wenn er seinen zukünftigen Partner nicht „riechen“ kann oder der Mensch partout keinen Zugang zum Hund findet, ist kein Kompromiss möglich“, erklärt die Gründerin und 1. Vorsitzende von VITA e.V., Tatjana Kreidler. „Die Chemie muss in einem Team stimmen, sonst funktioniert das Zusammenspiel nicht.“ Bei Fabio war es die wunderschöne Retriever-Dame Madison, die sich beim Matching an seine Seite gesellte. Giusi erzählt: „Ich kann mich an einen sehr schönen Augenblick erinnern: es klingelte an der Tür und Madison bellte plötzlich, Fabio erschrak und weinte los, da ging sie zu ihm und schleckte ihm über das Gesicht, fast so als wollte sie sich entschuldigen.“

So ist also klar: Madison und Fabio werden in den nächsten Wochen die Zusammenführung im Ausbildungszentrum des Vereins in Hümmerich durchlaufen. „Die Zusammenführung dauert ca. vier bis sechs Wochen. Während dieser Zeit entsteht eine behutsame Beziehung zwischen dem Hund-Mensch-Team, beide lernen den Umgang miteinander und müssen nun im Alltag zusammenwachsen“ so Tatjana Kreidler. Fabios Mutter sagt über diese Zeit: „Die Zusammenführung war wunderschön, sehr beeindruckend und ziemlich emotional. So eine Zeit bekommt nicht jeder, diese Erfahrung ist für mich sehr wertvoll gewesen und ich werde die Wochen in Hümmerich nie vergessen.“ Fabios Eltern lernen in dieser Zeit nicht nur, wie sie mit Madison umgehen müssen, damit sie ihr als Hund gerecht werden. Auch die Beziehung zu ihrem Sohn verändert sich: „Tatjana Kreidler hat mir in dieser Zeit so viel beigebracht, nicht nur wie ich mit Madison zurechtkomme, sondern und vor allem hat sie mir auch beigebracht, Fabio loszulassen, ihm nicht alles abzunehmen, ihn allein versuchen zu lassen“, so Giusi heute.

Nach der Zusammenführung ist es im August 2014 endlich soweit: die Familie darf Madison mit nach Hause nehmen. Giusi erzählt: „Seit Madison in Fabios Leben trat, hat sich einiges verändert: er ist vom Wesen sehr viel ruhiger geworden und er kann sich total entspannen, wenn er mit ihr kuschelt. Für seine „Mady“ macht er alles. Für Fabio war es immer furchtbar, wenn er im Rollstuhl saß und die Füße fixiert werden mussten. Wir haben in den vergangenen Jahren sehr oft versucht, ihn daran zu gewöhnen, aber leider vergeblich.“ Bereits nachdem Fabio und Madison die erste Trainingseinheit hatten, erklärte Tatjana Kreidler, Gründerin des Vereins und 1. Vorsitzende, Fabio, es sei sehr wichtig, dass er Madison nicht tritt und daher notwendig, seine Füße zu fixieren. „Ich kann nur sagen: Es hat sofort funktioniert, es ist überhaupt kein Thema mehr. Wenn wir ihn heute in den Rollstuhl setzen, möchte er sofort, dass wir seine Füße fixieren, damit er seiner ‚Mady‘ nicht wehtut“, berichtet Fabios Mutter.

Fabio hat bereits in den ersten Wochen seit Madison bei Ihnen war enorme Fortschritte gemacht – wie zum Beispiel Madison das Leckerli zugeben. „Am Anfang der Zusammenführung mussten wir die Leckerlis zwischen Fabios Daumen und Zeigefinger stecken und es dann gemeinsam Madison reichen. Mittlerweile kann Fabio das ganz alleine. Er kann den Leckerlibeutel selbst aufmachen, er kann ein Leckerli herausholen und es Madison geben.“, berichtet Giusi stolz. Madison ist für seinen menschlichen Teampartner eine riesige Motivationsquelle. „Es sind in so kurzer Zeit so viele Entwicklungsschübe passiert, die wir nie für möglich gehalten hätten. Fabio hat es auch geschafft ein „ME“ auszusprechen, was man sich bei seiner Spastik kaum vorstellen kann! Es ist einfach faszinierend und bei dem Tempo, in dem Fabio Sachen dazu lernt, erwarten wir noch mehr Entwicklungsschritte – es ist so wunderbar, das zu sehen“.

Madison gibt Fabio auch das Gefühl von Sicherheit und dass er nicht allein ist – wenn Fabios Bruder Dennis früher das Haus verlassen hat, um sich mit Freunden zu treffen, saß Fabio allein zu Haus und war traurig. Das ist nun kein Thema mehr. „Er ist nicht mehr allein, denn Madison sitzt neben ihm. Sie gibt ihm so viel Sicherheit und Willenskraft, wie nichts zuvor“ sagt Fabios Mutter über das neue Familienmitglied. Und die Hündin leistet auch ganz alltägliche Hilfe: Morgens und abends hilft Madison Fabio beim Ausziehen, bringt ihm Sachen, wie zum Beispiel Schuhe, Bücher, die Jacke und vieles mehr. Und ein neues Hobby hat die Familie auch gefunden: bei der gemeinsamen Dummyarbeit mit Madison sind alle gern dabei und viel mehr als vorher draußen in der Natur. Giusi sagt: „Und das Schönste ist, wenn wir unterwegs sind und Spaziergänger treffen, drehen sich die Gespräche nicht mehr um den armen Junge im Rollstuhl, sondern vielmehr um seine vierpfotige Partnerin, die neben ihm sitzt. Ja, Fabio hat jetzt eine treue Freundin an seiner Seite und das ein Hundeleben lang!“.